Rhein-Kreis Neuss,
09
April
2020
|
12:28
Europe/Amsterdam

Ausbildung in Neuss via Tablet: Westnetz setzt während Corona-Zeiten auf digitalen Unterricht

Westnetz-Ausbildungsleiter Adrian Kampa setzt während Corona-Zeiten auf digitalen Unterricht aus dem Homeoffice.

  • 48 Auszubildende am Standort Neuss arbeiten im Home-Office

Wenn Adrian Kampa morgens seine Auszubildenden trifft, ist zur Zeit vieles anders, denn seit dem 17. März läuft die Ausbildung bei Westnetz in Neuss vorübergehend nur noch digital über Tablets. Die Ausbildungswerkstatt in Neuss bleibt zunächst bis Ende April geschlossen.

Jeden Morgen beginnt die virtuelle Ausbildung: Dann loggen sich Adrian Kampa, Ausbildungsleiter bei Westnetz in Neuss für die technischen Berufe, und die Auszubildenden über eine Software auf einer Onlineplattform zum digitalen Unterricht ein. Wir tauschen uns morgens erst einmal über aktuelle Themen aus, anschließend beginnt die Vermittlung der Themen digital über eine Art virtuellen Ausbildungsraum. Im Anschluss bekommen die Auszubildenden ihre Tagesaufgabe sowie ergänzende Literatur“, um nachmittags die Aufgaben im virtuellen Raum wieder gemeinsam zu besprechen, erläutert Kampa und ergänzt: „Die Auszubildenden lösen bzw. bearbeiten die Aufgaben im Laufe des Tages. Sie können sich selbstverständlich bei Fragen jederzeit an mich und meine Kollegen Frank Düring und Bastian Migas wenden oder sich untereinander austauschen.“

Um Synergien zu heben haben sich die Ausbilder bei Westnetz aus Essen, Wesel, Neuss, Belm und Arnsberg die Aufgaben untereinander aufgeteilt. „Einige Ausbilder übernehmen die Vorbereitung auf die Sommer-Abschlussprüfung, andere Kollegen die Themenbereiche Regelungstechnik, Leistungselektronik, Automatisierungs- und Antriebstechnik. „So werden diese und andere Ausbildungsinhalte auf viele Schultern verteilt“, beschreibt Kampa das Prinzip. Die Auszubildenden arbeiten online also nicht nach Ausbildungsjahrgängen unterteilt, sondern nach Themenschwerpunkten.

„Wir sind sehr positiv überrascht, wie gut das funktioniert“, zieht Kampa ein erstes Fazit. Die Azubis seien begeistert und mit einer hohen Disziplin dabei und keiner fehlt. „Und was mich am meisten freut, ist die Tatsache, dass sich alle untereinander unterstützen und sich gegenseitig helfen.“ Auch die Ausbilder lernen von den Auszubildenden beispielsweise neue Apps oder Tricks zur Anwenden von Applikationen kennen.

Dass die gewerblich-technische Ausbildung bei Westnetz in Zeiten der Corona-Pandemie schnell auf eine digitale Lernplattform verlegt werden konnte, liegt an der Tatsache, dass das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr, in Zeiten von Industrie 4.0, alle Auszubildenden mit einem Tablet ausgestattet hat. „So war es für uns möglich, auf die außergewöhnliche Situation zügig zu reagieren und handlungsfähig zu bleiben. Generell hat Westnetz innerhalb kürzester Zeit alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. So gut wie alle Mitarbeiter sind ebenfalls, soweit es möglich gewesen ist, zum 17. März ins Home Office geschickt worden. Mitarbeiter, deren Aufgabengebiet das Arbeiten von Zuhause aus nicht zulässt, wurden in Zweier-Teams aufgeteilt. Diese Teams sollen sich möglichst nicht begegnen“, sagt Kampa.

Ein vollständiger Ersatz ist das rein digitale Lernen im Fall einer gewerblich-technischen Ausbildung nicht. „Es fehlt der persönliche Kontakt sowie die Arbeit und Unterweisung mit praktischen Versuchsaufbau, ebenso der Einsatz in den Fachbereichen“, sagt Kampa. „Aber die Ausbildung via Tablet kann auch künftig -über die Corona-Zeit hinaus- eine gute Ergänzung sein, um flexibel und ortsunabhängig auszubilden. Dann lassen sich Ausbildungsinhalte schnell und unkompliziert digital vermitteln.“

Wann die Ausbildung wieder in der Ausbildungswerkstatt stattfindet, ist Anfang April noch nicht absehbar. Die Maßnahme, die technische Ausbildung digital durchzuführen, ist zunächst bis zum 30. April angedacht.

Im Regionalzentrum werden aktuell 48 junge Menschen zu Elektroniker*innen für Betriebstechnik ausgebildet bzw. absolvieren eine Einstiegsqualifizierung. Das Regionalzentrum Neuss ist verantwortlich für Planung und Errichtung, Betrieb und Instandhaltung von Stromnetzen in Teilen des Rhein-Kreises Neuss, Kreises Mettmann und Kreises Viersen. Zu den vielfältigen Aufgaben eines Elektronikers für Betriebstechnik gehören unter anderem die Installation, Wartung und Reparatur von elektrischen Betriebsmitteln. Des Weiteren werden Schalt- und Steueranlagen montiert und Systeme programmiert. Um zu garantieren, dass die Bevölkerung mit Strom versorgt ist, werden Energieversorgungsanlagen errichtet, in Betrieb genommen, überwacht und in Stand gesetzt.