Düren,
19
Juli
2021
|
17:05
Europe/Amsterdam

Nach Aufhebung der Evakuierung: Westnetz-Arbeiten in Euskirchen laufen an

  • Mittelspannung in Flamersheim, Palmersheim und Schweinheim wird inspiziert 
  • wo die Zerstörungen es zulassen soll sofort wieder zugeschaltet werden 
  • Nächstes Ziel: Hausanschlüsse müssen in Betrieb genommen werden

In den vom Hochwasser betroffenen Gebieten laufen die Arbeiten zur Wiederversorgung der Bevölkerung mit Elektrizität auf Hochtouren. Im Bereich der vorgelagerten Stromnetze (Hochspannung- und Mittelspannung) konnten in vielen Gemeinden mittlerweile die Anlage, die nicht vollständig zerstört wurden, wieder in Betrieb genommen werden. Hier geht es in den einzelnen Kommunen immer weiter voran. Nach Aufhebung der Evakuierung für die Euskirchener Ortsteile Flamersheim, Palmersheim und Schweinheim checken Fachleute von Westnetz mit Teams Vorort die Anlagen. Solange diese nicht vollständig zerstört sind, werden die erforderlichen Schritte zur Wiederversorgung eingeleitet. Im nächsten Schritt geht es im gesamten Gebiet um die Anschlüsse der einzelnen Häuser und Wohnung an das nachgelagerte Niederspannungsnetz.

„Da weit über 5.000 Straßen im gesamten westlichen Rheinland betroffen sind, bitten wir um Geduld. Wir sind uns bewusst, dass die Menschen für sich persönlich wissen möchten, wie es weitergeht und wann bei ihnen mit einer Wiederversorgung zu rechnen ist. Eine detaillierte Auskunft über die Situation jeder einzelnen Straße, jeder einzelnen Siedlung oder gar jedes einzelnen Anschlusses können wir aktuell nicht liefern.

Aktuell stellt sich die Situation folgendermaßen dar:

Kreis Euskirchen:

Mechernich: Das vorgelagerte Mittelspannungsnetz ist hier fast vollständig in Betrieb. Im nächsten Schritt wird es um den Wiederanschluss des nachgelagerten Niederspannungsnetz gehen.

Euskirchen: Durch die zerstörte Infrastruktur sind viele Teile noch immer nicht erreichbar. Im Zentrum steht noch immer Wasser, so dass eine konkrete Lageeinschätzung sich nach wie vor als schwierig erweist. Eine vollständige Wiederversorgung ist aktuell weiterhin nicht absehbar.

Bad Münstereifel: In der stark beschädigten Altstadt und in den Ortsteilen Iversheim, Kirspenich und Arloff konnte die Mittelspannung noch nicht wieder vollständig hergestellt werden. Techniker sind aktuell im Einsatz und prüfen die Kabel und die Anlagen vor Ort. In der Altstadt wird ein Großteil der Netzinfrastruktur erneuert werden müssen.

Zülpich: Die Mittelspannung konnte, teilweise unter Zunahme von Aggregaten, nahezu vollständig wieder hergestellt werden. Probleme gibt es aktuell noch in der Ortschaft Mülheim. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind vor Ort und arbeiten an der Wiederaufnahme der Versorgung.

Weilerswist: In Weilerswist ist die Netzinfrastruktur weitestgehend in Betrieb. Aktuell wird an der Wiederversorgung von Metternich und Vernich gearbeitet.

Rhein-Erft-Kreis:

Erftstadt: Die Situation hat sich auf Ebene der Mittelspannung weitestgehend normalisiert. Problematisch sind die Ortsteilen Blessem und Friesheim, da sie nach wie vor nicht zugänglich sind.

Rhein-Sieg-Kreis:

Meckenheim: Die übergeordnete Netzinfrastruktur (Hoch- und Mittelspannung) konnte mittlerweile gesichert werden. Hier wird bereits mit der Überprüfung der Versorgungsleitungen im Niederspannungsbereich begonnen.

Rheinbach: In Rheinbach gibt es aktuell besonders Probleme in den Ortsteilen Romershoven und Queckenberg. Hier wurden einige Ortnetzstationen vollständig zerstört. Westnetz arbeitet Vorort mit Hochdruck an der Wiederherstellung. Eine genaue Abschätzung, wann hier mit den Arbeiten für die Niederspannung begonnen werden kann, ist uns aufgrund des komplexen Störungsbildes aktuell noch nicht möglich.

Swisttal: In Swisttal wird aktuell an der Wiederversorgung der Ortschaften Odendorf und Heimerzheim gearbeitet. Sonderteams sind vor Ort, um erste Anlage wieder in Betrieb zu nehmen und Schritte zur Beseitigung der Schäden einzuleiten.

Über die aktuelle Situation berichtet der Verteilnetzbetreiber auch auf Twitter:
https://twitter.com/WestnetzGmbH

Hintergrund:

Das Stromnetz kann man sich wie ein Straßennetz vorstellen: Es gibt Autobahnen, Bundestraßen, Landstraßen. In der Stromverteilung entsprechen diese Straßen dem Hochspannungsnetz (110.000 Volt), der Mittelspannung (10.000 Volt) und der Niederspannung (400 Volt). Städte und größere Orte sind direkt an das Hochspannungsnetz angeschlossen, ebenso große, energieintensive Industrieunternehmen. Kleinere Orte werden in der Regel über das Mittelspannungsnetz versorgt, einzelne Haushalte über die Niederspannungsnetze.

Zentrale Knotenpunkte im Stromnetz, vergleichbar mit Autobahnkreuzen, sind Umspannanlagen. Hier wird die Spannung für die weitere Verteilung in die einzelnen Orte heruntertransformiert. Von den Umspannanalagen geht es weiter in die Trafostationen bzw. die Ortnetzstationen, wo der Energiefluss wiederum in Niederspannung transformiert wird und für unsere Haushalte direkt nutzbar ist. Dies erfolgt von den Trafostationen aus über die Kabelverteilerschränke hin zu den einzelnen Hausanschlüssen.

Wenn Straßen stark beschädigt sind, sind sie nicht mehr befahrbar und müssen repariert werden. Sind sie versperrt durch Geröll, muss geräumt werden. Und bei Verschmutzung müssen sie gereinigt werden. Hiermit vergleichbar ist derzeit die Situation in der Stromversorgung in den Katastrophengebieten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die größte Herausforderung und Hauptursache für großflächige Versorgungsstörungen sind verschmutzte, beschädigte oder gar zerstörte Umspannanlagen. Dazu kommt, dass nach wie vor Anlagen im Mittel- und Niederspannungsnetz nicht zu erreichen oder nicht begehbar sind, da das Wasser in den überfluteten Regionen, wenn überhaupt, nur langsam zurückgeht. Übertragen auf den Straßenverkehr bedeutet dies: Ein Autobahnkreuz oder eine Bundes- oder Landstraße kann nicht mehr genutzt werden.

Dort, wo elektrische Anlagen nach gründlicher Inspektion den Befund „verschmutzt“ erhalten, können sie nach Reinigung und Prüfung wieder zugeschaltet werden. Leichtere Schäden können repariert werden.
Wo aber Anlagen von Wassermassen und Treibgut zerstört wurden, muss neu aufgebaut werden. In diesen Fällen versucht Westnetz über einen zweiten Weg die Versorgung aufzubauen. Dies können Umschaltungen auf andere Leitungen sein, Notstromaggregate oder Provisorien. Damit werden Umleitungen eingerichtet.

Wenn eine Umspannanlage wieder in Betrieb geht, ist die Basis für die Stromversorgung gelegt. Jedoch bedeutet dies nicht sofort auch Strom für die einzelnen Haushalte, denn auch Leitungen und Kabel, die zu den Trafostationen und Kabelverteilerschränken führen und vor dort den Strom in die Haushalte transportieren, sind im Katastrophenfall oft beschädigt und müssen repariert oder ersetzt werden.

Weiterer Hintergrund Technik:

Ein Umspannwerk (auch Umspannanlage) ist Teil des elektrischen Versorgungsnetzes und dient der Verbindung unterschiedlicher Spannungsebenen. Umspannwerke bestehen neben den Leistungstransformatoren immer aus Schaltanlagen, aufgebaut als Freiluftschaltanlage oder in gekapselter Form als gasisolierte Schaltanlage, sowie weiteren Einrichtungen zur Mess- und Regeltechnik. Anlagen ohne Transformatoren werden auch als Lastverteilerwerk (Lastverteiler oder Schaltwerk) bezeichnet.

In einer Transformatorenstation, auch Netzstation, Ortsnetzstation oder kurz Trafostation genannt, wird die elektrische Energie aus dem Mittelspannungsnetz mit einer elektrischen Spannung von 10.000 Volt auf die in Niederspannungsnetzen (Ortsnetzen) verwendeten 400/230 Volt zur allgemeinen Versorgung transformiert (umgewandelt).

Die erzeugte Elektrizität, z. B. aus Kraftwerken, kommt mit 110.000 Volt Hochspannung in einer Umspannanlage an. Die dort vorhandenen Transformatoren sorgen dafür, dass die Spannung auf 10.000 Volt in sogenannte Mittelspannung „umgespannt“ wird. In den Trafostationen wird der Energiefluss dann wiederum in Niederspannung transformiert, denn auf dieser Spannungsebene ist Strom für unsere Haushalte direkt nutzbar. Dann erfolgt im Niederspannungsnetz schließlich die entscheidende Feinverteilung der Elektrizität – und zwar von den Trafostationen über die Kabelverteilerschränke (KVS) hin zu den einzelnen Hausanschlüssen. Die KVS sind Knotenpunkte für elektrische Kabel im Niederspannungsnetz. Über die KVS und die darin enthaltenen Kabel-Sicherungen werden die jeweiligen Stromkabel-Strecken und die daran angeschlossenen Hausanschlüsse abgesichert. Bei einem Störungsfall an einem Kabel lösen die Sicherungen der Kabelstrecke direkt im KVS aus, so dass möglichst wenige Hausanschlüsse oder Kunden von der Störung betroffen sind.

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