Bretzenheim,
06
November
2019
|
16:55
Europe/Amsterdam

Umzug in luftiger Höhe: Westnetz-Freileitungsmonteure siedeln Storchennest in Bretzenheim um

Die Westnetz-Freileitungsmonteure Marius Fiege, Kevin Hudic und Christoph Thönnessen sorgen dafür, dass das Storchennest mit einer Seilwinde nach unten gebracht werden kann.

Es ist ein besonderer Anblick, der viele Menschen fasziniert verharren lässt: Zwei Störche bauen gemeinsam ihr Nest und sitzen darin, Seite an Seite. Doch vielen vorbeifahrenden Autofahrern und Spaziergängern stockte der Atem, denn die Störche hatten sich auf einem 110-Kilovolt-Strommast von Westnetz niedergelassen, um ihren Nachwuchs groß zu ziehen.

Als Michael Wahl, Leiter Hochspannungsfreileitungen bei Westnetz, davon erfuhr, dass sich die Störche samt Nachwuchs diesen luftigen Platz an der Bundesstraße 41 bei Bretzenheim ausgesucht hatten, war klar, dass hier gehandelt werden muss. Natürlich weiß man, dass die Storchennester nicht einfach entfernt werden dürfen – sie stehen unter strengem Schutz. „Wir stehen bei solchen Themen immer im Austausch mit den zuständigen Naturschutzbehörden“, erklärt Wahl und fügte hinzu: „Alle Sicherungsmaßnahmen erfolgen in Absprache und unter Aufsicht der Behörden. Damit sowohl die Vögel als auch die Stromleitungen sicher sind, haben wir uns dazu entschlossen, das Nest umzusiedeln.“

Nester zurückzuschneiden, damit diese nicht zu Gefahrenquellen werden können, ist eine sehr aufwendige Angelegenheit. Denn die unter dem Nest verlaufenden Freileitungen müssen dazu abgeschaltet werden. Auch muss für den Rückbau jedes einzelnen Nestes eine Genehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz eingeholt werden. Doch Meister Adebar berührt dies alles nicht: Wenn er zu seinem Nest zurückkommt und feststellt, dass es kleiner geworden ist, setzt sich sein Instinkt durch und er beginnt wieder mit der Erweiterung. Es ist bekannt, dass der Storch sein Leben lang baut, was dazu führen kann, dass Nester im Laufe der Jahre ein Gewicht von mehreren Zentnern erreichen und nicht selten abstürzen. Um genau das zu verhindern wurde das etwa 1,2 Meter breite und zirka 50 Kilogramm schwere Storchennest am Dienstagmorgen durch drei erfahrene Freileitungsmonteure von Westnetz heruntergenommen. Dabei wurde das Netz auf ein Brett gezogen und am Mast mit einer Seilwinde heruntergelassen.

Um das Kollisionsrisiko von Vögeln mit Hochspannungsfreileitungen nachweisbar zu senken, hat Westnetz spezielle Markierungen etabliert, die die Leiterseile für anfliegende Vögel besser sichtbar machen. Im Spannfeld vom Mast 27 nach Mast 28 (sprich über die Nahe) wurden bereits im Jahr 2007 mit dem Hubschrauber Vogelschutzmarkierungen im Erdseil eingebaut.

Die Grundlagen hierzu lieferte eine Untersuchung zu den Gefiederfarben, der Signalwirkung des Gefieders und zum Flugverhalten der europäischen Vogelarten. Besonders auffällig war dabei der „Blinkeffekt“, der durch die unterschiedliche schwarz-weiße Gefiederfärbung des Kiebitzes im Flug beim Anheben und Senken der Flügel entsteht. Nach diesem Vorbild wurde im Jahr 2002 der Prototyp der heute gängigen Leitungsmarkierungen entwickelt. Die schwarz-weißen, beweglichen Kunststoffstäbe orientieren sich an der Sehphysiologie und dem Verhalten der Vögel. Somit können die Markierungen die Aufmerksamkeit der Vögel auf Hindernisse in ihrer Flugrichtung erhöhen.

Nachdem das Nest zur Sicherheit der Störche jetzt vom Strommast entfernt und gesichert wurde, werden Michael Kreuzer und Rainer Lanz-Wagner, von der Freien Wähler-Liste (FWL) Bretzenheim, im Frühjahr für einen neuen, geeigneten Alternativstandort auf einem Baumtorso in der Nähe der Bretzenheimer Wohnbebauung sorgen. Jetzt gilt es abzuwarten, ob die neue Nisthilfe im kommenden Jahr von Störchen angenommen wird.