Petershäuserhof/Sabershausen,
18
Mai
2020
|
15:57
Europe/Amsterdam

Westnetz arbeitet an lokalen Inselnetzen zur Notstromversorgung mit dezentralen Erzeugungsanlagen

  • Feldversuche sind wichtig um die erarbeiteten Konzepte für die Anwendung im Ernstfall zu erproben und zu härten

Was tun, wenn nichts mehr geht? Damit beschäftigen sich die Kolleginnen und Kollegen des Verteilnetzbetreibers Westnetz unter anderen in den Projekten KARIN (Konzeptbaukasten für regionale Inselnetze zur Notstromversorgung) und Aggregatbetrieb 2.0. Das bereits abgeschlossene Projekt KARIN entwickelte verschiedene Konzepte, die es ermöglichen das Versorgungsniveau im Krisenfall über lokale Notstrominseln mit Integration von dezentralen Erzeugungsanlagen zu verbessern. Eine mögliche Lösung ist ein erweiterter Aggregatbetrieb (Notstromversorgung mit Netzersatzanlage) mit der Einbindung von weiteren Erzeugungsanlagen wie Photovoltaik- oder auch Windenergieanlagen. Diese müssen derzeit aus regelungstechnischen Herausforderungen im konventionellen Aggregatbetrieb abgeschaltet werden und können somit nicht zur Notstromversorgung genutzt werden.

Im Folgeprojekt Aggregatbetrieb 2.0 sollen die erarbeiten Konzepte zum erweiterten Aggregatbetrieb bis zur praktischen betrieblichen Anwendbarkeit weiterentwickelt werden. Dazu werden zunächst einzelne Aggregate hinsichtlich ihrer Regelung aufgerüstet. Die neue Regelung ermöglichst es, die Leistung der Erzeugungsanlagen in der jeweiligen Notstrominsel nach Bedarf (über die intelligente Vorgabe der Frequenz) zu steuern. Das ist ausgesprochen wichtig, da in jedem Stromnetz stets die zugeführte Energie der entnommenen Energie entsprechen muss (Last und Verbrauch müssen sich decken). Diese Funktionsweise soll in einer Pilotphase für kleine Notstrominseln in der Niederspannungsebene ausführlich getestet werden.

Darüber hinaus soll auch die Einbindung größerer Erzeugungsanlagen (Windenergieanlagen und größere Photovoltaik-Parks) zur Anwendung von größeren Notstrominseln in Mittelspannungsteilnetzen nach gleichem Konzept weiter erprobt werden. „In den Projekten hat Westnetz zusammen mit der RWTH Aachen bereits aufwändige Netzsimulationen zur Bewertung und Analyse von Inselnetzkonzepten durchgeführt. In letzter Instanz sind aber reale Feldversuche bzw. dessen Auswertung unerlässlich bei der Einführung neuer Technologien“, so Thomas Schmidt, Projektleiter in der Systementwicklung bei Westnetz.

Übergeordnete Ziele der Projekte sind es weitere Optionen zu schaffen um das Versorgungsniveau bei Versorgungsunterbrechungen mit der bereits vorhandenen Infrastruktur (dezentrale Erzeugungsanlagen, Aggregatfuhrpark, Stromnetz) zu erhöhen. Darüber hinaus sind die Projekte ein Beitrag zur Nachhaltigkeit, da über diesen Weg auch im normalen Tagesgeschäft viel Treibstoff eingespart werden kann.

„Die Feldversuche wurden mit langer Vorlaufzeit detailliert vorbereitet , zum Beispiel sind die Hersteller SMA (Solarpark Gödenroth) und Nordex (Windenergieanlage Lahr) direkt eingebunden, um auch das Verhalten der Einspeiser bezüglich des Inselnetzbetriebes zu optimieren. Die betroffenen Anwohner in Petershäuserhof und Sabershausen wurden über die Versuche informiert, weiter haben wir im Vorfeld Netzumschaltungen vorgenommen. Für das Projektteam sind die Versuche jetzt ein Highlight. Die Erfahrungen aus den bereits durchgeführten Tests ohne Kunden stimmen uns sehr positiv, dass unsere Entwicklungen auch den realen Praxistest bestehen“, erläutert Thomas Schmidt.